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Aktuelles

30.06.2022 Vertreterversammlung 2022  - Dividende von 1% Zurück >

Die 88. Vertreterversammlung fand am 29. Juni 2022 nach zwei Online-Jahren wieder als Präsenzveranstaltung im Paulaner am Nockherberg statt.

Erstmals wurde am Vormittag eine Veranstaltung "Dialog mit dem Vorstand" für interessierte Vertreter abgehalten, was insbes. von Vertretern der Freien Liste genutzt wurde, um vertiefende Fragen zur aktuellen Entwicklung zu stellen. Dies ging auf unsere Anregung im August 2021 zurück und sollte künftig zweimal jährlich zwischen den Vertreterversammlungen und nicht unmittelbar davor abgehelten werden. 

Auf Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Berthold Ottmann wurde die Versammlung wieder vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Günter Grzega geleitet. Von den 227 im Vorjahr gewählten Vertretern waren 173 anwesend.

Der Vorstandsvorsitzende Helmut Lind ging in seinem Vortrag zunächst auf aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ein. Aus seiner Sicht wird aus der Globalisierung eine Regionalisierung, dazu komme der Fachkräftemangel. Während in den letzten 10 Jahren die Mietrendite höher als die Zinsen war und Wohneigentum attraktiver als Miete, ändere sich das jetzt. Bei Bauzinsen von rd. 3% komme jede zweite Baufinanzierung - das Hauptgeschäft der Sparda-Bank -  nicht mehr zustande. Die Frage, warum die Sparda keine 15-jährige Zinsbindung mehr anbietet, wurde dahingehend beantwortet, dass durch das Kündigungsrecht nach 10 Jahren höhere Risiken kalkuliert werden müssten, die alle Konditionen verteuern würden. Er verwies darauf, dass sich inzwischen immer mehr Banken mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen um die „grünen Ziele“ zu unterstützen, die sich die EU bis zum Jahr 2050 als „Green Deal“ vorgenommen hat. Die Sparda biete schon länger nachhaltige Fonds an, deren Absatz-Anteil 2021 fast 65% betrug. Sie verfolge eine transparente Anlagenpolitik, ohne Währungs- und Rohstoffspekulationen. Provisionszahlungen an Vertriebsmitarbeiter wurden bereits vor 10 Jahren eingestellt, um eine neutrale Beratung sicherzustellen. Mit der Baumpflanzaktion seien seit 2015 über 100.000 Bäume gepflanzt worden. Die Bank fördere zudem die Naturtalent-Stiftung im Rahmen der Gemeinwohl-Ökonomie, worüber man sich im Internet unter wirtschaft-fuer-alle.de informieren kann.

Das für den Vertrieb zuständige Vorstandsmitglied Petra Müller erläuterte, dass zunächst rd. 93% der Kunden dem 2021 einführten Kontomodell zugestimmt hätten. Die Zahl der Mitglieder sank 2021 um knapp 5% auf 286.549, seit dem Höchststand 2019 (rd. 314.000) bis heute (rd. 280.000) sogar um rd. 11%. Die Bank arbeitet mit neuen Produktpartnern z.B. Schwäbisch Hall und Münchner Hypothekenbank, bei der Immobilienverwaltung mit externen Partnern zusammen.
Als besondere Neuigkeit konnte sie ankündigen, dass ab 1.Juli kein Verwahrentgelt mehr erhoben werde und auch bald wieder verzinslichen Anlagen angeboten würden. Sie entschuldigte sich für Mängel im Telefonservice, die auf Corona und die hohe Nachfrage durch das BGH-Urteil zurückzuführen waren.


Vorstandsmitglied Silke Schneider-Wild erläuterte die bilanzielle Entwicklung. Das Jahresergebnis wäre 14 Mio. € (vor Steuer) höher gewesen ohne die Sondereffekte wie BGH-Urteil (Gebührenrückzahlungen, Beratung) und IT-Kosten, die erneut um rd. 3'4 Mio. € stiegen. Darin wirkt die Comeco (TEO) nur mit rd. 0'9 Mio. €, deren Anteil nach vollständiger Umstellung aller Konten noch weiter steigen wird. Dies soll durch Provisionen aus den zusätzlichen Angeboten in TEO ausgeglichen werden. Die bankinternen IT-Prozesse, die weiter über Sopra Financial Technology (SFT) abgewickelt werden, nehmen aber den größten Teil der IT-Kosten in Anspruch. Ihr Anstieg um rd. 1'8 Mio. €  ist durch Anforderungen der Regulatorik und Entwicklung von Schnittstellen bedingt. Mehrkosten verursachten auch externe Callcenter, die aufgrund der hohen Nachfrage im Zusammenhang mit der Gebühreneinführung anfielen. Trotz Mitgliederrückgang stieg die Zahl der Geschäftsanteile um 7,4%, es können nach zwischenzeitlich 200 wieder bis zu 100 Anteile erworben werden.
Die Gesamtkapitalquote ist wieder leicht auf 17,5% gesunken, liegt aber immer noch über dem Bankendurchschnitt.
Die Ausschüttung ener Dividende trotz dieses Rückgangs und des geringen Ergebnisses wurde damit begründet, dass die vermehrte Ausgabe von Geschäftsanteilen attraktiv bleiben müsse, um die Eigenkaptalbasis weiter zu stärken.
Näheres kann man im Geschäftsbericht nachlesen.

Der Jahresabschluss und die Ergebnisverwendung mit einer Dividende von 1% wurde mit 170 Stimmen gebilligt. 

Der Vorstand wurde mit 170 Stimmen, der Aufsichtsrat mit 166 Stimmen entlastet.

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat - bei der jeder Vertreter zwei Stimmen hatte - wurde der Bahn-Gewerkschafter Norbert Zänkert mit 111 Stimmen und die Bahn-Angestellte Sabine Beier mit 120 Stimmen wiedergewählt, womit die Bahn-Dominanz im Aufsichtsrat weiter erhalten bleibt. Die beiden von der Freien Liste (Liste 2) nominierten Kandidaten hatten erwartungsgemäß keine Chance: Herbert Uhl erhielt 55 Stimmen, Dr. Walter Schmidt 46. 
Herbert Uhl betonte
in seiner Vorstellung einmal mehr den moralischen Anspruch der Liste 2 auf ein Aufsichtsrats-Mandat und wies darauf hin, dass die Bank ohne die Auflösung von stillen Reserven keinen Gewinn mehr ausgewiesen hätte, weshalb konstruktiv-kritische Positionen im Aufsichtsrat wünschenswert seien. Ein Vertreter der Liste 1 widersprach dem.

Bekannt gegeben wurde, dass Vorstandsmitglied Hermann Busch im Herbst altersbedingt ausscheidet. Nachfolger wird Peter Berger, langjähriger Mitarbeiter und Prokurist.

Es handelt sich hier um einen subjektiven Bericht, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Alle Angaben ohne Gewähr. 
Den offiziellen Bericht finden Sie auf der Seite der Bank.